All unser Streben und Bemühen um das Wohl der uns anvertrauten Kinder findet vor dem Hintergrund der anthroposophisch orientierten Menschenkunde Rudolf Steiners statt. Mit unserer Arbeit möchten wir aktiv dem Schutz der Kindheit als solcher dienen, indem wir die altersgemäßen Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Kinder achten und zur Grundlage der Gestaltung des pädagogischen Alltags erheben. Wir streben die Vertiefung, Verfeinerung und beständige Weiterentwicklung der Methoden der Waldorfpädagogik an. 

Einen ersten Einblick in die Waldorfpädagogik geben in einer kurzen (04:15 Min) und einer langen Version (15:13 Min) die beiden Filme der Vereinigung der Waldorfkindergärten.  

Vorbild und Nachahmung

Lernen am Modell

Intuitiv ahmen Kinder in den ersten Jahren die Menschen in ihrer Umgebung nach. Wir wissen um diesen Aspekt und richten unsere täglichen Handlungen nach dem Prinzip „Vorbild und Nachahmung“ aus. Aus diesem Grund sind wir bestrebt, die Tätigkeiten langsam, deutlich und sinnvoll durch­zu­führen, damit sich die Kinder daran orientieren können. Wortreiche Erklärungen und Anweisungen werden so überflüssig. Auch der inneren Haltung schenken wir Beachtung, da diese sich ebenfalls auf die Kinder überträgt. Die verlässliche und vertraute Beziehung zu den Erzieherinnen bildet hier eine wichtige Basis für Lern- und Entwicklungsprozesse. Nach­ahmung und selbständiges Handeln können die Kinder beispiels­weise bei folgenden Handlungen üben: backen, kochen, waschen, nähen, filzen, malen mit Aquarellfarben, kneten…

Wiederholung und Jahreszeiten

Regelmäßig wiederkehrende Tätigkeiten wirken wohltuend auf die kindliche Entwicklung und erfüllen das Bedürfnis der Kinder nach Wiederholung und Sicherheit. Jeder Tag, jede Woche, jedes Jahr hat bei uns einen ähnlichen Ablauf. Dies hilft den Kindern, eine zeitliche Struktur zu erkennen und sich darin zurechtzufinden. In der täglichen Betreuungszeit wechseln sich Phasen der mehr nach außen gerichteten Aktivität mit den stärker nach innen gewandten Ruhemomenten des Innehaltens und Genießens rhythmisch ab. Gleichbleibende Abläufe helfen uns auch dabei, gute Gewohnheiten anzulegen und zu pflegen. Die Jahreszeiten und die Jahresfeste bieten einen weiteren Orientierungsrahmen mit größeren und kleineren Höhepunkten im Kindergartenalltag. 

Soziales Miteinander

Der Kindergartenalltag bietet ein großes Übungsfeld für das soziale Miteinander. Die Ansprache der Kinder ist freundlich-heiter, liebevoll und dem Weltverständnis-vermögen der Kinder angepasst. Nonverbale Elemente ergänzen dies in fruchtbarer Weise. Respekt vor der individuellen Eigenart des Kindes zeichnet den Umgang der Erzieherinnen mit dem Kind aus. Uns ist diese bewusste Umgangspflege wichtig, da wir mit ihr Wertschätzung leben und vermitteln. 

„Man wird nur dadurch dem Menschen gerecht, dass man in jedem einzelnen einen neuen Menschen sieht.“ Rudolf Steiner

Freies Spiel

Das freie Spiel ist eine entwicklungsfördernde Aktivität, der im Kindergarten eine bedeutungsvolle Rolle beigemessen wird. Das kindliche Spiel ist für das Kind ernsthafte Arbeit und eine kostbare Handlung für die Selbstbildung des Kindes. Der bewusste Einsatz von einfachen und natürlichen Spielmaterialien setzt Kreativität und Fantasie bei den Kindern frei und lässt so einen gesunden und anregenden Spielraum entstehen. Innerhalb dieser lebhaften Atmosphäre erlebt das Kind sich selbst und sein Gegenüber in einer schöpferisch aktiven Phase. Dabei ist nicht das Ergebnis wichtig, sondern das Erproben und die Bestätigung der eigenen schöpferischen Kräfte. Diese sogenannte Selbstwirksamkeit befriedigt das Kind und motiviert es zugleich weiterhin kreativ zu spielen. Dadurch werden die kindliche Autonomie und das Selbstvertrauen gestärkt.

„Angetrieben wird das Kind durch innere Impulskräfte einer Intelligenzquelle, die weiß was wann an der Zeit ist, entdeckt und entfaltet zu werden.“ Uli Tritschler

Natur

Die Natur bietet einen vielfältigen Erkundungs- und Erfahrung­sraum und ist damit ein idealer Lehrmeister für fundamentale Entwicklungskompetenzen. Die unter­schiedlichen Erlebnisse und Anregungen, die dort auf natürliche Weise möglich sind, unterstützen einerseits die Ent­wicklung der basalen Sinne (Tast-, Bewegungs-, Gleich­gewichts- und Lebenssinn) und andererseits leisten sie einen wertvollen Beitrag zur kind­lichen Gesundheit. Die Kinder können diese natürlichen Erfahrungen sowohl täglich in unserem Garten als auch auf kleineren Spaziergängen erleben. Durch die Natur­ver­bunden­heit erleben die Kinder den rhythmischen Wechsel der Jahreszeiten sowie deren Veränderungen in der Natur. Sie erfahren auf diese Weise ein tiefes Vertrauen in natürlich wieder­kehrende Rahmenbedingungen.

Eurythmie

Die Eurythmie ist eine von Rudolf Steiner entwickelte Bewegungs­kunst. Durch die fließenden Bewegungen erhalten Sprache und Musik einen künstlerisch-ästhetischen Ausdruck. Durch Bewegung wird menschlicher Wille wirksam: wenn ich etwas will, muss ich mich in Bewegung bringen. Die Eurythmie praktizieren wir in unserem Kindergarten einmal in der Woche mit einem Eurythmisten. Die Vermittlung wird immer auch durch jahreszeitlich angepasste Sprüche, Gedichte und Geschichten ergänzt. Die Eurythmie hilft den Kindern, sich gerne und gesund mit ihrem Körper zu verbinden.

Sprachpflege

Was uns in der Seele berührt, können wir durch Sprache zum Ausdruck bringen. Im Laufe der ersten drei Lebensjahre bzw. des ersten Jahrsiebts stellt das Erlernen der Muttersprache eine essenzielle Entwicklungsaufgabe für das Kind dar. Es ist darauf angewiesen, durch seine Umgebung eine freundliche und gute Sprache zu erleben, da die Sprache weitreichende Auswirkungen auf die gesamte seelische, geistige und sensomotorische Entwicklung des Kindes hat.

Im Kindergarten legen wir viel Wert auf eine ordnende Sprache, die dem Kind durch rhythmisches Sprechen vorgelebt wird. Durch einen dynamischen und freundlichen Austausch, wird dem Kind gezeigt, wie Sprache befreiend und stärkend eingesetzt werden kann.

Ernährung und Tischkultur

In beiden Gruppen bereiten die Erzieherinnen mit den Kindern täglich eine frische Mahlzeit zu. Bei dieser Tätigkeit erfahren die Kinder neben den zahlreichen Sinneseindrücken (z.B. riechen, schmecken, fühlen…) wie wertvoll sie und ihre Mithilfe sind. Diese Erfahrung fördert die Freude auf das feine Essen. Die Mahlzeiten dienen so nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern erfüllen eine wichtige Funktion für das soziale Miteinander. 

Gefrühstückt wird immer gegen halb zehn. Die meisten Kinder haben dann nach dem ersten Spielen einen guten Appetit und sind zum Mittagessen zuhause wieder hungrig. Die Lebensmittel beziehen wir bei lokalen Bioläden. Der Speiseplan folgt einer wiederkehrenden Reihenfolge, wird jedoch je nach Saison im Detail variiert.

Montag: Milchreis mit Obst
Dienstag: Suppe mit Gerstengraupen und Gemüse
Mittwoch: Hirseküchlein
Donnerstag: Brötchen mit Aufstrichen
Freitag: Müsli

Erziehungs-Partnerschaft

Wir schätzen den Erfahrungswert der Eltern in Bezug auf ihr Kind. Der kontinuierliche Austausch ist wichtig, um die uns anvertrauten Kinder besser kennen zu lernen, sich ihrer Individualität schrittweise zu nähern und die spezifischen Bedürfnisse zu erfahren. Um das Kind auch in seinem familiären Umfeld zu erleben, statten die beiden Bezugserzieherinnen allen Familien nach einer Zeit des Ankommens im Kindergarten einen Hausbesuch ab. Die Kinder sind meist sehr stolz auf diesen ungewöhnlichen Besuch und fühlen sich wertgeschätzt und wahrgenommen.

Die Eingewöhnungszeit wird individuell an dem Tempo des Kindes ausgerichtet, so dass die Eltern ihre Kinder in einer Atmosphäre des „Angenommen-Seins“ gut aufgehoben wissen und die Kinder freudig in den Kindergarten gehen können. 

Immer wieder bieten wir auch Elternabende zu pädagogischen Themen an, um den Eltern Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen, Anregungen zu geben, Fragen zu beantworten und den Austausch untereinander zu fördern.